Die Wirkung der Bilder von Wolfgang End in
Worte zu fassen ist keine leichte Aufgabe. Dafür hat der Künstler
auf vielen Ebenen gesorgt.
So waren mir nach der ersten Begegnung mit
seinen aktuellen Bildern vor allem die Farben im Gedächtnis geblieben.
Die einzelnen Motive jedoch wirbelten mir vor dem geistigen Auge, wie
sie auch auf den Bildern zu wirbeln scheinen. Es blieb das Gefühl,
nur schwer beschreiben zu können, was ich gesehen hatte.
Bei weiteren Besuchen und Gesprächen
wurde mir deutlich, dass meine erste Reaktion auf seine Bilder ganz
im Sinne Wolfgang Ends war. Die Bilder sind bewußt sowohl auf den
starken farblichen Eindruck, als auch auf vordergründige Verwirrung
angelegt. Denn die Farben sollen dazu einladen, sich mit den Bilder zu
beschäftigen, aber sagt End, "der Betrachter darf seinen Augen
nicht trauen".
Die Brücken, die die Farben zu den Werken
schlagen sollen, scheinen sie ständig selbst zu überschreiten.
Sie springen einem aus den Bildern heraus förmlich ins Gesicht, schwappen
sogar über die Bildränder hinaus auf die Rahmen und machen auch
dort, so scheint es, nur widerwillig vor der Wand halt. Bei manchen Bildern
ragt das Farbmaterial obendrein aus der Bildoberfläche, weil End
mit dem Farbmaterial die Gegenstände als Relief modelliert hat.
Diese überbordende Fülle findet
sich auch in der Darstellung wieder. Die Bildhintergründe wirken
wie knallbunte Geschenkpapier-Collagen - gepunktet, gestreift, gerautet.
Im Vordergrund setzt sich der Eindruck der Collage in den Figuren und
Gegenständen fort, die willkürlich zusammengewürfelt erscheinen.
Dadurch ist der Betrachter gezwungen, diese wie bei einem Vexierbild aus
dem gemusterten Hintergrund herauszusehen. Keine leichte Aufgabe, wenn
die Gegenstände ebenfalls Muster tragen, ohne inhaltlichen Zusammenhang
mit dem Gegenstand an sich. Das gilt vor allem für seine Stilleben
und Blumenstücke. Die Gesichter der Menschen in seinen erzählerischen
Werken dahingegen stechen hervor. Die Farbgebung des Inkarnats ist nuancenreich
und hebt sich klar gegen die plakativen Farbfelder der Hintergründe
ab. Bei kurzem Hinsehen wirkt es, als schwebten sie vor den Farbmustern,
was das Collagenhafte der Bilder wiederum betont.
Hat man sich dann allmählich im Dargestellten
zurechtgefunden, entstehen assoziative Bezüge und mit ihnen die Erwartung
des Betrachters, eine nachvollziehbare Geschichte zu entdecken. Diese
Erwartung wird jedoch - quasi "unterwegs" - immer wieder enttäuscht,
da die Bildinhalte niemals eindeutig und in den meisten Fällen auch
nicht gänzlich nacherzählbar sind.
Das ist von End bewußt
gesetzt. In einem seiner Bilder, krault eine Frau einen Frosch mit Krone
hinter dem Ohr während sie ihm eine Tasse Kaffee anreicht.
Hier der Kaffee, mein Frosch
"Hier der Kaffee, mein Frosch"Hier der Kaffee, mein Frosch
"Schau dir die Frau an, die dem Frosch
Kaffee bringt.", sagte er dazu. "Wenn sie das wörtlich
nehmen, dann zerreisst es den Leuten das Hirn. Da kommen sie mit Logik
nicht hin. Das ist was ich erreichen will: Die geistigen Grenzen der Leute
aufbrechen."
Daher die Erinnerung an Farbe und meine Verwirrung.
Hat man aber einmal die Vorstellung verlassen, es müsse eine zusammenhängende
Geschichte in den Bildern geben, bieten sie Raum für unzählige
mögliche Geschichten und Zusammenhänge, die weit über das
tatsächlich Gezeigte hinausgehen.
Bis zu diesen Bildern jedoch, in denen ich
den "End-Stil" erkenne, war es ein langer Weg.
1952 in Ortenberg/ Schwarzwald geboren, wollte
Wolfgang End schon früh Maler werden, aber die Eltern bestanden darauf,
er solle "etwas Anständiges" lernen. Ihrem Wunsch hat er
mit einer Lehre als Betriebsschlosser entsprochen, seinen Wunsch nach
der Malerei aber nie aufgegeben.
1980 zog er dann nach München, wo er
seither lebt und arbeitet. Zunächst gönnte er dort der Malerei
eine lange Pause. Erst 1987 hat er sein Malen wieder aufgenommen und seither
jene unverkennbaren Handschrift entwickelt, die seine Werke bei aller
thematischen Verschiedenheit kennzeichnet. Zu beschreiben, was den "End-Stil"
auszeichnet und seine Entwicklung aus den frühen Werken nachzuvollziehen,
habe ich mir hier vorgenommen.
Stadtansicht vom Dach
Aus seiner frühen Zeit ist nur ein einziges
Bild erhalten. Es zeigt eine Stadtansicht vom Dach
Stadtansicht vom Dach
(1979), die sich vom späteren Werk vor allem durch
den spürbaren Wunsch unterscheidet, mit großer Nähe zur
naiven Kunst, die Wirklichkeit so zu zeigen, wie sie sich dem Auge anbietet.
Dem End-Stil mit der bewußten Setzung einer eigenen Bildwirklichkeit
ist das noch sehr fern.
In den ersten Bildern nach der langen Pause
- es sind Landschaften - sind sowohl der Wunsch, Wirklichkeit abzubilden,
als auch die Direktheit der naiven Kunst, immer noch deutlich erkennbar.
Die Landschaften sind zumeist von oben gesehen,
durchzogen von einem Netz von Wegen, als habe jemand sich einen erhöhten
Standpunkt zur Orientierung gesucht. Vielleicht auf der Suche nach einem
eigenen Weg in der Malerei? Tatsächlich erzählt Wolfgang End,
es handelt sich dabei um den Blick von den Hügeln seiner Badischen
Heimat, der weit ins Land geht und die Straßen und Häuser wie
eine Spielzeuglandschaft wirken lässt. Menschen sind allerdings in
diesen frühen Landschaften noch nicht zu finden. Nur ihre Spuren.
Ihre Wege eben, Häuser, Ackerfurchen oder ihre Kleider, zurückgelassen
am Ufer für ein nächtliches Bad im See (Badende bei NachtBadende bei Nacht
).
Badende bei Nacht
Allmählich dann verschwinden auch ihre
Spuren, verwischen sich die Hügel, Wasser und Wolken zu Farbschlieren,
die - fast schon abstrakt - nur mehr durch den Titel und die Assoziationen
des Betrachters zu Landschaften werden.
Während diese Landschaftsbilder etwas
Beruhigendes haben, sind die Menschen, die Anfang der 90-er Jahre in seinen
Bildern auftauchen, eher beunruhigend. Zunächst noch einzeln, porträthaft
gemalt, sind sie von ungeheurer Direktheit, die zum einen noch Unbeholfenheit
im Umgang mit dem ungewohnten Sujet verrät, zum anderen bereits den
Verzicht auf jede "Schönmalerei" zeigt, der auch heute
noch Ends Bilder kennzeichnet.
Claudia auf dem Stuhl
Seine Vorliebe für Blautöne im
Inkarnat gibt den Gesichtern und Akten etwas Kühles und Distanziertes.
Die Körper haben etwas Starres und strahlen zusammen mit den starren
Blicken der zumeist weiblichen Figuren eine ungeheure Verlorenheit aus.
Diese wird durch die Platzierung der Körper im Bildraum noch betont.
Frau am Fenster
Da sitzt eine Frau allein auf einem Stuhl in der Wiese (Claudia auf dem StuhlClaudia auf dem Stuhl
, 1992), eine andere steht nackt auf einem Hochhaus-Fensterbrett
(Frau am FensterFrau am Fenster
, 1992), wieder eine andere steht, ebenfalls nackt, in
einer dunklen Straße (Da bin ichDa bin ich
, 1991), dem Blick des Betrachters ebenso wehrlos ausgesetzt,
wie dem verstohlenen Blick eines Mannes im Bild.
Da bin ich
In diesem letzten Bild richtet sich die Frau
mit den Worten des Titels direkt an den Betrachter. Sein Blick auf die
Frauen im Bild wird Thema des Bildes. Wie geht er mit dieser in zweifacher
Hinsicht direkten Präsentation ihres Körpers um? Kann er hoffen,
dass sie doch den Mann im Bild gemeint hat?
Ich war in der Psychiatrie
In einem anderen Bild sitzt eine Frau auf
einer Bank im Park und berichtet im Titel:
Ich war in der Psychiatrie Ich war in der Psychiatrie
(1991). Wie geht der Betrachter mit dieser
Nachricht um? Ertappt man sich dabei, das Bild anders zu lesen, als wenn
es den Titel trüge: Frau auf der Bank sitzend? Wieder steht der Blick
des Betrachters auf das Bild zur Diskussion.
Die Direktheit des Stils findet hier ihr
inhaltliches Pendant. Die Bilder werfen zwar viele Fragen auf, sind von
der Vieldeutigkeit der späteren Bilder aber noch weit entfernt. Wie
Wolfgang End 1993 in einem Interview sagt: er wolle mit seine Bildern
"einen Spiegel vorhalten, der das tägliche Leben unserer Zeit
reflektiert". Und in diesem Spiegel sieht der Betrachter auch sich
selbst.
Damenkränzle
In dem Gruppenbild Damenkränzle Damenkränzle
(1992) sitzen in einem Straßencafe drei Damen miteinander um einen
Tisch. Eine der Frauen sitzt dort völlig unvermittelt mit bloßem
Oberkörper. Weder die Frauen am Tisch noch der an den Tisch tretenden
Ober reagieren darauf. Obwohl im Bildraum dicht gedrängt, wirken
alle Figuren unbeteiligt. Niemand scheint es zu bemerken. Außer
dem Betrachter, der damit zu einem Mitwisser wird.
Männergesellschaft
Wie ein Pendant dazu die Männergesellschaft Männergesellschaft
(1992), in der immerhin acht Männer sich in einem Raum zusammengefunden
haben, sich aber gegenseitig gar nicht wahrzunehmen scheinen. Der Eindruck
des getrennt-Seins trotz großer Nähe wird noch dadurch verstärkt,
dass die vier Männer im Hintergrund wirken, als seien sie ins
Bild geklebte Brustbilder. Versammelt haben sich die Männer um einen
Tisch, auf dem eine Stripperin steht. Sie hat den BH bereits auf den Boden
geworfen und ist dabei, nun ihren Slip auszuziehen. Sie lächelt.
Ihr Gesicht ist dem Betrachter zugewandt, durch den Bildrand jedoch so
angeschnitten, dass offen bleiben muß, wohin ihr Blick geht.
So bleibt ebenso offen, ob sie sich für die Männer im Bild oder
für die vor dem Bild auszieht. Wieder kann sich der Betrachter dem
Thema des Bildes nicht entziehen. Es wird ihm nahegelegt, die Provokation
des Bildes auch auf sich selbst zu beziehen.
Provokation und Satire waren damals Wolfgang
Ends erklärtes Ziel. Er wollte auf die Umstände aufmerksam machen,
die er um sich herum sah, auf Intoleranz, Verlogenheit und "Pharisäertum".
Dabei machte er von einer Direktheit gebrauch, die für den Betrachter
zur Konfrontation gerät.
Obwohl die Satire in den Bildern nie bösartig
geriet, sondern immer mit einem Augenzwinkern einherging, hatten seine
Bilder nicht die gewünschte Wirkung. Er merkte, dass sich die
Menschen zum Teil vor seinen Bildern verschlossen, während er sie
doch für seine Botschaft der Toleranz öffnen wollte. Daher entschloss
sich Wolfgang End 1993 zu einer deutlichen Wende in seinem Werk.
Die Wut versuchte er nun auszuschließen
- wollte die Menschen mit seinen Bildern erheitern, denn das Positive
funktioniert, so merkte er, viel besser. "Die Leute sind dann viel
beweglicher, als wenn man sie runterzieht."
Hier kündigt sich an, was ich den End-Stil
nenne. Obwohl die Bildinhalte ihren satirischen Ton erhalten, verändert
sich der Stil und damit die Wirkung der Bilder weitgehend.
Die wohl augenfälligste Veränderung
liegt in der Verwendung der Farbe. Sie wird nicht mehr nass in nass zu
Farbverläufen, sondern scharf abgegrenzt in Farbflächen nebeneinander
ins Bild gesetzt. Inspirationsquelle hierfür waren alte Kirchenfenster,
deren Leuchtkraft die Farben bei dieser Veränderung auch zu bekommen
scheinen. Die Hintergründe verändern sich zu den erwähnten
Mustermixen, die nur noch andeutungsweise perspektivische Bildräume
erkennen lassen. Die Bildgegenstände werden wie eine Collage ins
Bild gesetzt, wodurch der auf den ersten Blick verwirrende, beliebige
Eindruck entsteht.
Obwohl Wolfgang End von sich sagt, dass
er seine Bilder ganz assoziativ aufbaut, ist selbst in seinen Stilleben,
in denen man sicher keinen satirischen Inhalt vermutet, immer absichtsvoller
Witz erkennbar: Seepferdchen im Cocktail, Eis in der Blumenvase, Seerosen
im Goldfischglas und Rautenfisch im Hut.
End gibt ja auch an, bewußt Dinge nebeneinander
in ein Bild zu setzen, die stutzig machen, um die Erwartungen des Betrachters,
was zusammen in ein Bild gehört, zu verwirren.
Assoziativ ist dabei vermutlich die Auswahl
der Gegenstände und Figuren im Bild, deren Quelle Abbildungen aus
Zeitungen und Zeitschriften sowie Dinge seiner direkten Umgebung sind.
Ihre Setzung im Bild folgt der Notwendigkeit der Farbe. Sie ist der Ausgangspunkt
bei allen Bildern, sagt er. Die verschiedenen Formen werden in ihren Farblichkeiten
zunächst als Farbskizze auf der Leinwand festgehalten und dann durch
Farb-Form-Kombinationen ergänzt, die durch die Farbverteilung im
Bild notwendig werden, ohne inhaltliche Verbindung mit ihrer Bildumgebung
haben zu müssen.
Die Bildgegenstände und ihre Bedeutung
in der Wirklichkeit, auf die sie sich beziehen, sieht Wolfgang End also
getrennt. Denn eigentlich, so End, ist ein Gegenstand erst einmal nur
Masse in einer bestimmten Form. Die Bedeutung, die wir ihm geben, haben
wir dazugelernt. Form und Bedeutung sind scheinbar eins geworden. Nimmt
man die Bedeutung nun weg, bleibt nur noch die Form übrig. Diese
kann man transformieren, sie anders interpretieren und ihr letztendlich
eine andere Bedeutung zukommen lassen. Das führt zur Neuerschaffung.
Die Vorstellung, die Wirklichkeit abbilden zu wollen ist also nachdrücklich
einer Neuschaffung der Wirklichkeit gewichen, in der zwar die erkennbaren
Gegenstände noch auftauchen, aber nicht mehr notwendigerweise in
der Bedeutung und in dem Zusammenhang, die wir ihnen gewöhnlich zuerkennen.
Die Botschaft der Toleranz ist nicht mehr in erster Linie inhaltlich zu
suchen, sondern im Vorgang selbst, sich im Bild zurecht zu finden. Dazu
müssen die eigenen Erwartungen aufgegeben und die Bereitschaft gezeigt
werden, sich den ungewohnten Bildinhalten zu öffnen.
Dazu gehört auch, dass End auf
die Verbindlichkeit von Perspektive und Proportion ebenso verzichtet,
wie auf eine klare Verteilung zwischen Fläche und Körper im
Bild. Das führt zu dem oben erwähnten Effekt, dass der
Betrachter sich einer Art Vexierbild gegenüber sieht, das sich nur
mühsam zum Ganzen eines Bildes fügen lässt. Jede vermeintliche
Sicherheit wird durch den nächsten Blick wieder untergraben.
Dadurch wird jede Eindeutigkeit des Dargestellten
aufgehoben. Statt mit der Faust im Gesicht, bleibt der Betrachter nun
mit einer Verwirrung zurück, die ihn animiert, noch und noch einmal
hinzusehen und die vielen Verknüpfungsmöglichkeiten des Dargestellten
zu probieren.
Um nicht wieder zu riskieren, dass der
Betrachter sich vor seinen Bildern verschließt, setzt Wolfgang End,
neben den einladenden Farben, Mittel der Werbung ein.
Da ist zum einen der hohen Wiedererkennungsfaktor.
Immer wieder tauchen Prominente auf, ob Beuys, König Ludwig II.,
Moshammer oder der Papst. Die Prominenten sind Vertrautes für den
Betrachter und erleichtern durch die Erkennbarkeit den Eingang in die
andere Welt der Bilder. Ihre Bedeutung ist jedoch keine inhaltliche. Ihr
Schaffen oder ihre Position stehen nicht zur Diskussion. Obwohl damit
natürlich auch inhaltlichen Assoziationen Vorschub geleistet wird,
die weiterzuspinnen man sich - trotz aller Verwirrung - nicht enthalten
kann. Und soll, behaupte ich.
Zum anderen erleichtern die vielen Wiederholungen
innerhalb seines Werkes den Zugang zu den Bildern von Wolfgang End. Die
Weißwurst, der Bierkrug, die Silhouette der Frauenkirche, der Rautenfisch.
Sie tauchen in beinahe jedem seiner Bilder der letzten Jahre auf, sind
zum Teil fast wie eine Signatur. Sieht man mehrere Werke nacheinander,
regt die Beharrlichkeit, mit der diese Elemente auftauchen geradezu zum
Schmunzeln an.
Hinter der Auswahl der Motive könnte
man eine besondere Affinität zu seiner Wahlheimat München vermuten,
aber die hat Wolfgang End nicht. Er lebt, so sagt er, nun einmal in dieser
Stadt und verwendet in seinen Bildern das, was ihn tagtäglich umgibt.
Aber vor allem geht es ihm um die Erkennbarkeit. Die Frauenkirche kennt
jeder. Was hätte daneben seine Badische Heimat an derart Erkennbarem
zu bieten?
Pabst auf Reisen
Die satirische Komponente bleibt jedoch Teil
seiner Werke und führte 1998 bei einem Werk selbst zur Zensur. Bei
einer Ausstellung zum 850. Jubiläum seiner Heimatgemeinde Ortenberg
wurde das Bild Pabst auf Reisen
Pabst auf Reisen
(1998), das den Papst zusammen mit knapp- und
unbekleideten Frauen zeigt, zum Stein des Anstoßes für den
Bürgermeister. Das Bild wurde in der Ausstellung hinter einen Vorhang
verbannt.
Und das, obwohl in dem Bild gar keine eindeutige
Beziehung zwischen dem Papst und den Frauen behauptet wird. Sie erscheinen
lediglich gemeinsamen auf einem Bild.
Vor dem üblichen Mustermix-Hintergrund
schweben zwei Frauenkörper, die Türme der Münchner Frauenkirche,
ein paar Frauenbeine und der Papst. Am unterem Bildrand flegelt links
ein Mann mit einem Matrosenmützchen auf dem Kopf und einem Hund auf
der linken Schulter. Rechts sitzt eine Frau und zwischen ihnen befinden
sich ein Bierkrug und zwei Weißwürste. Das Bild suggeriert
keinen gemeinsamen Raum für die Figuren und da sie keinerlei Bezug
aufeinander haben, auch keinen zeitlichen Zusammenhang. Es wirkt wie eine
gemalte Collage aus verschiedenen Zeitungsbildern.
Natürlich steht es jedem frei, die Bildelemente
gedanklich zu verknüpfen und in der Verknüpfung gibt es auch
einen möglichen Sinn, aber es ist nicht Wolfgang End, der damit eine
Geschichte erzählt, sondern der Betrachter, der eine Geschichte daraus
macht. End lässt offen, ob man darin einen Kommentar auf die Realität
oder eine willkürliche, witzige Collage sehen will. Wie sooft zeigt
die Zensur mehr von den Gedanken des Zensierenden als von denen des Künstlers.
Abschließend sei gesagt, dass
auch die enorme Ausstellungsaktivität zum künstlerischen Credo
von Wolfgang End gehört. Ebenso wie die Gründungsinitiativen
für mehrere Künstlergruppen (Statik Null, ER, ERL und Three
man). Er möchte mit anderen Künstlern zusammen arbeiten, andere
Künstler dazu animieren ihren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten,
denn die Künstler träumen, so sagt er, die Träume der Gesellschaft
und sind dadurch überlebenswichtig für jeder Zivilisation.
Die Wirkung der Bilder von Wolfgang End in
Worte zu fassen, ist nicht leicht. Dafür hat der Künstler gesorgt.
Aber er sorgt auch dafür, dass seine Bilder erlebt werden können.
In jeder Hinsicht. Denn eine Botschaft macht erst Sinn, wenn sie auch
wahrgenommen wird.