So lautet der Leitspruch des Künstlers Wolfgang End, den er in seinem
Werk mehr als überzeugend umgesetzt hat.
Der gebürtige Ortenberger Autodidakt, der seit mehr als zwanzig Jahren
in München lebt, ist in seinem Schaffen wohl als Sensualist zu bezeichnen,
denn er gibt alles rückhaltlos und verschwenderisch. Eine Vielfalt
von Formen, Figuren und Objekte rangeln fast um einen Platz auf der Leinwand,
um in reine, satte Farbe getaucht zu werden.
Seine zahlreichen Stilleben dokumentieren wohl am besten End's Freude
an einem malerischen Intermezzo und lassen darüber hinaus auch seinen
Sinn für Witz und Ironie erkennen.
Stilleben Charly
Eines seiner skurrilsten Werke ist wohl
"Stilleben Charly"Stilleben Charly
.
In diesem Werk blickt der Betrachter wohl etwas verwirrt
auf ein Cocktailglas auf dessen Boden sich ein Tintenfisch aalt. Zu ihm
gesellt sich ein Seepferdchen, das an einem Strohhalm Halt sucht. Dem
Cocktailglas, das auf einer bunt karierten Tischdecke platziert ist, setzt
End noch seine typischen Attribute mit denen er seine Bilder als "bayerisch"
kennzeichnet: einen Teller mit ein Paar Weißwürsten und einen
blau-weiß-gerauteten Fisch. Die bunte Vielfalt wird noch übertroffen
vom Hintergrund, der von verschiedengemusterten Farbfeldern beherrscht
wird, die sich diagonal in das Bild schieben. "Stilleben Charly"
ist eine fast doppelseitige Arbeit.
Bunt und naiv wie es ist, drückt das Bild eine gewisse kindliche
Unbeschwertheit aus. Bei näherer Betrachtung scheint es aber, dass
End ein schelmisches Spiel mit dem Betrachter spielt, stellt er doch -
durch den überraschenden Bildinhalt - dessen allzu menschliche Sucht,
alle Erscheinungen mit einem Sinn belegen zu müssen, auf die Probe.
Gedankenspiele, Farbenspiele... das sind die eigentlichen Themen, die
End's Bilderwelt bestimmen.
Auch
"Stilleben"
Stilleben
, wie End eine seiner Arbeiten nennt, ist diesem Thema unterstellt. Hier
spielt er mit der althergebrachten Bedeutung dieser Genrebezeichnung...
ja stellt sie fast auf den Kopf. Alles andere als kontemplativ oder gar
meditative, scheint das dargestellte Blumenarrangement von einer geheimen
Kraft eingenommen zu sein. Voller Energie lösen sich vereinzelte
Blüten von ihrem angestimmten Platz und schwirren wild durch den
Bildraum. Nicht einmal vor dem eingrenzenden Bildrand machen sie halt,
sondern erobern auch den Rahmen, so als wollten sie dem Betrachter entgegenfliegen,
ihn teilhaben lassen an ihrer eigenen, zügellosen Lebensfreude. "Kunst
soll Freude machen" schreit es förmlich aus dem Bild heraus.
Wolfgang End bringt damit nicht nur seine eigene Persönlichkeit und
Lebensphilosophie zum Ausdruck, sondern möchte den Betrachter miteinbeziehen,
ihn anstecken. Er selbst sagt ja "Ich möchte den Betrachter
ermuntern, fröhlicher zu sein. Das Leben ist fröhlich, wenn
er es nur sehen kann".
In seinem malerischen Habitus setzt er dieses Ziel auch konsequent durch.
So wie sich die Bildinhalte seiner Stilleben fast jedem rationellen Interpretationsversuch
entziehen, so widersetzen sich auch seine Kompositionen jedem realen Erfahrungswert.
Tische sind zur Bildebne hochgeklappt, Figuren, Objekte, alles dies erscheint
aufgeklebt wie Sticker auf einem bunt-gemusterten Untergrund. Irrationell,
überraschend, ungezwungen... fröhlich eben, so will es Wolfgang
End und seine Bilder sollen diesem Ziel gerecht werden.
Dennoch wäre es falsch End's bildnerische Welt als naiv-dekorativ
abzutun. In vielen seiner Arbeiten zeigt sich End als kritischen Beobachter
seiner Umwelt ohne dabei verfänglich zu erscheinen.
Eines dieser doppelschneidigen Bilder ist
"Die Weisswurst",
Die Weisswurst
eine Arbeit mit der er an der 'Großen Kunstausstellung
2000' teilgenommen hat. Hier trägt End in seiner typisch bunt-plakativen
Manier zusammen, was so gerne mit seiner Wahlheimat München in Verbindung
gebracht wird: Gartenzwerge, Weißwürste, weibliche Schönheiten,
Weissbier, und selbstverständlich München's Schicki-Micki-Prinz
Moshammer.
"Die Weißwurst" ist sicherlich als eine witzige Hommage
an München und seine Lebensart zu verstehen, aber auch als Persiflage
auf gelebte und gerne hochgehaltene Klischees und damit auf das kleinbürgerliche
Denken, dass die Isarmetropole so fest im Griff hat.
Ohne Worte oder Münchener Freiheit, Teil 2
Gleichwohl humorvoll wie kritisch ist auch das Werk "Ohne Worte oder Münchener Freiheit, Teil 2"Ohne Worte oder Münchener Freiheit, Teil 2
. Die eigenwillige
Komposition ist ganz von Ihrem Hauptakteur eingenommen. End präsentiert
ihn von hinten, mit gespreizten Beinen und vornüber gebeugt und steckt
ihn in kurzerhand in kurze bayerische Lederhosen, weißem Hemd und
roten Strapsen. Durch die Beine hindurch blickt der Betrachter auf eine
sanfte Feld- und
Wiesenlandschaft, über der gerade die Sonne aufgeht. Obwohl "Ohne
Worte oder Münchener Freiheit, Teil 2" in seiner äußeren
Form amüsant erscheint, kann es nicht als banaler Witz gelesen werden,
in dem, wie es scheint, das Schwulenmileu wieder einmal auf die Schippe
genommen wird.
Der Strapstragende ist vielmehr als ein kollektives Symbol für "das
Andere" zu lesen, das in unserer Gesellschaft oftmals auf Ablehnung
und Hohn stößt. End, der sich immer wieder für das Recht
der freien persönlichen Entfaltung ausspricht, plädiert hier
wohl für die gesellschaftliche Notwendigkeit alte Fesseln abzuwerfen,
um der Toleranz und Aufgeschlossenheit einen breiteren Weg zu ebnen.
End's Bilder wie z.B. "Die
Weisswurst" oder "Ohne
Worte oder Münchener Freiheit, Teil 2" wirken an der Oberfläche
eher wie witzige, harmlos-bunte Kreationen. Dennoch verbergen sie in sich
tiefere Bedeutungsebenen, die nur darauf warten vom Betrachter entdeckt
zu werden.
In seinem künstlerischen Schaffen stellt End also den Betrachter
in den Mittelpunkt. Das Bild selbst ist für ihn nur noch Mittel zum
Zweck, den Betrachter dahingehend anzuregen über die Welt, Gesellschaft
und vor allem über sich selbst nachzudenken und sein eigenes Tun
und Handeln zu reflektieren. End's unverwechselbarer Stil ist dabei das
wichtigste Element dieses Ziel zu erreichen.
Die einfache Formensprache und opulente Farbenpracht zielt darauf ab,
das Auge des Betrachters zu locken und einzufangen. Über die sinnliche
Erfahrung hinaus halten überraschende Gegensätze und Widersprüche
im Bild den Blick des Betrachters fest, machen ihn neugierig und verlängern
die Aufmerksamkeit. So will End erreichen, dass der Betrachter tiefer
in das Bild und seinen Inhalt blickt. Dabei verliert End niemals das aus
dem Auge, was ihm so sehr am Herzen liegt: Toleranz. Er möchte sein
Publikum nicht vor eine allzu eindeutige und damit abgegrenzte Thematik
stellen. Mittels des suggestiven Charakters seiner Bilder räumt End
dem Betrachter immer wieder die Möglichkeit ein, individuelle Assoziation
zu entwickeln.
End selbst sieht sich aber oftmals mit einer gewissen Intoleranz konfrontiert,
musste er sich doch wegen seiner durchaus bissigen Bildaussagen bereits
vermehrt Kritik gefallen lassen. Diese Tatsache spricht aber durchaus
für den erwünschten Effekt seiner Bilder. Schließlich
will End mit seinen Bildern Aufmerksamkeit erregen, will aufzurütteln
und vielleicht sogar zum Umdenken anregen.
End's Bilder sind also der Alltagswelt und Ihrer Problematik entsprungen
und zielen auch in ihrer Aussage wieder auf den Alltagsmenschen ab. Nicht
"Kunst für die Kunst" heißt es bei End, sondern "Kunst
für den Menschen". Und diese, seine Kunst soll eine Alternative
darstellen zu der Vorherrschaft der konzeptionellen Kunst auf der einen
Seite und einer Kunst, die von Nüchternheit und Reduktionismus geprägt
ist, auf der anderen Seite. Er stellt sich damit bewußt einer Kunst
entgegen, die zu oft für sich selbst und ihr elitäres Publikum
spricht. End möchte die Mauern des berühmten Elfenbeinturms
durchbrechen, indem er eine künstlerische Sprache für sich entwickelt
hat, die eine ganze Bandbreite von Menschen erreichen soll - sie fröhlich
aber auch nachdenklich stimmen soll.