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Mein LebenElfriede SieferleJames Blackforest
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Die Geschichten: James Blackforest3. Das SchneckenballetMit dem Werkzeugkoffer in der Hand geht James B. zum Hintereingang der Wohnanlage, drückt die Türe auf und steigt die Stufen hinauf in den vierten Stock. Rechts wohnt Guntelhild Weber. Die Eingangstüre ist angelehnt. Es duftet nach frischem Kuchen. "Komm rein, James", ruft Guntelhild. und führt ihn in die Küche. James stellt seinen Werkzeugkoffer links vor die Spülmaschine, begutachtet dann den tropfenden Wasserhahn: "Es ist nur eine Kleingkeit. Der gehört auch entkalkt" Während James sich den Hahn vornimmt, macht Guntelhild den Kaffee. So nach achteinhalb Minuten! "So der geht wieder", freut sich James und packt sein Werkzeug ein. Nocheinmal prüft er das Ergebnis: "Der geht einwandfrei". "Dann setz dich an den Tisch", so Guntelhild. Der ist bereits gedeckt: Teller und Tassen mit Goldrand und Blümchen, in der Mitte die Kaffeekanne, ebenfalls mit Goldrand und Blümchen, dahinter der Apfelkuchen schwäbischer Art, links daneben ein Schälchen mit Schlagsahne. Guntelhild platziert ein Stück Kuchen auf James Teller und schenkt ihm Kaffee ein."Oh Milch und Zucker fehlt", bemerkt Guntelhild. Wie ein Wirbelwind stellt sie Milch und Zucker bereit und legt auch weißblaukarierte Servietten daneben. Dann setzt sie sich auf den Stuhl, hebt ein Stück Kuchen auf den Teller und schenkt sich Kaffee ein. James bedeckt seinen Kuchen und Kaffee mit Schlagsahne und beginnt zu essen. "James, du bist etwas anders, als vor zwei Stunden, als wir uns auf der Insel trafen", so Guntelhild und nimmt einen Schluck Kaffee: " Hast Du vielleicht auf dem Weg hierher eine Katze überfahren?" "Nein, rote Nacktschnecken!" "Wie ¬ rote Nacktschnecken?", frägt Guntelhild mit tiefer Stimme "Du bist verliebt. Ich kenn dich doch. Erzähl mal!" James erzählt ihr von den schönen Blumen, die er für die Firma Kuckucksuhren Vertriebsgesellschaft Mittelbaden gekauft hatte und den Schnecken, welche die Blumen übel zugerichtet hatten, während er an Claudia Schreibspechteimer von der kommunalen Parkraumüberwachung denkt. Guntelhild hört ihm aufmerksam zu."Ja wir haben einen feuchten Sommer, ideale Bedingungen für Schnecken. Kauf dir beim Buchladen Bücherwurm in der Steinstraße das Buch: 'Tausendundeinen Tipp gegen Schnecken' von Professor Hubertus Häberle, Institut für Gliederfüßler, Wirbeltiere und Bayerische Rautenfische in Tübingen für fünf Euro,"so Guntelhild."Was? Rautenfische?", fragt James irritiert,"vergackeierst du mich?" Guntelhild: Nein! Die Bayerischen Rautenfische sind eine Weiterzüchtung der Goldfische und schwimmen im Teich der bayerischen Staatskanzlei. Durch einen Scherzkeks, der einige Exemplare trotz Bewachung fing und im Eisbach im Englischen Garten aussetzte, obwohl die Münchner Feuerwehr alles mögliche tat, entwischten diese klugen Fische und gelangten so in die Doanu. Der bayerische Innenminister war in Ausreden und Verschönern der Lage nicht verlegen. Vor sechs Monaten zog ein Angler einen zwei Kilo schweren Bayerischen Rautenfisch aus der Breg (Einer der Donauquellflüsse). Die Baden-Württembergische Landesregierung, offentsichtlich in Sorge um die heimische Fauna, beauftragte den Professor Hubertus Häberle am Institut für Gliederfüßler und Wirbeltiere um die Erforschung der Tiere. Seitdem ist das jetzt das Institut für Gliederfüßler, Wirbeltiere und Bayerische Rautenfische. Durch einen Bekannten im Baden-Württembergischen Umweltministerium, der Pförtner dort ist, erfuhr ich, dass die Baden-Württembergische Landesregierung liebäugelt, in ihren Landesfarben Fische zu züchten und diese dann am See vor dem Stuttgarter Schloss einzusetzen." "Das ist aber ein Ding! Das ist eben Politik, davon verstehe ich nichts. Es wird nicht lange dauern, so kannst in der Bahnhofswirtschaft in Ortenberg einen Bayerischen Rautenfisch in Rieslingsoße, Petersilie und Semmelknödel, dazu einen Ortenberger brombeerigen Spätburger Weißherbst bestellen. Als Nachtisch Seepferdchen in Aspiksahne mit Sonnenschirm und Waffel", schwärmte James B. Guntelhild kredenzte noch einen weichen Birnenschnaps vom 'Wassermeister aus Ortenberg' als Abschluss. James packt seinen Werkzeugkoffer, verabschiedet sich von Frau Guntelhild Weber. Im Treppenhaus richtet er noch ein Fenster, dann prüft er den Druck der Heizung, schaut nach dem Wärmeaustauscher und stellt die Restmülltonnen raus, weil die Müllabfuhr morgen in aller Früh kommt. Dann setzt er sich in sein Auto, fährt zur Weingartenstraße vor, dort weiter nach Zell Weierbach, über die Badische Weinstraße nach Fessenbach und schließlich ist er zu Hause in Käfersberg auf dem Sofa, die Füße auf dem Wohnzimmertisch, den Fernseher an und ein volles Weißbierglas in der linken Hand. Es kommen die Landesnachrichten: "Stuttgart. Die Baden-Württembergische Landesregierung prüft, wie weit Schadensforderungen gegenüber den Freistaat Bayern zu stellen sind, wartet aber noch auf ein Ergebenis einer unabhänigen Expertenkommission, wie weit der Bayerische Rautenfisch sich in badenwürttembergische Gewässer verbreitet und heimische Fischarten verdrängt. Der Fraktionssprecher der Opposition wirft der Landesregierung Untätigkeit vor und fordert den Umweltminister zum Rücktritt. Die Schweizer Bundesregierung hat sich zum Bodensee noch nicht geäußert. Der Ministerpräsident warnt vor weiterem Panikmachen. Und nun das Wetter: Am morgen Nieselregen, ein leichter Nordwestwind..." "Hallo James!"James hört eine weibliche Stimme, schlägt
die Augen auf und wäre am liebsten auf der Stelle zerflossen. Vor
ihm stand eine riesige Schnecke im graubraunen Kleid, der Boden, vor
allem der gute Wohnzimmerteppich, ist vollkommen mit weiß-silbrigen
Schleim überdeckt. Weißer Nebel zieht ab. Genau dort, wo die Hauswand sein müsste, geht der Vorhang auf, eine große weite Bühne öffnet sich. Eine Gruppe von zwanzig getigerten Nacktschnecken stehen auf der Bühne. Von Nacktschnecken kann man im eigentlichem Sinne nicht reden, denn diese sind angezogen. Die Musik beginnt. Im Vierviertelstundentakt drehen sich die Schnecken im Kreis, bücken sich, wenden sich nach links, dann nach rechts....! James braucht viel Geduld. Es dauert über eine Viertelstunde, bis der nächste Takt kommt. Nach einigen Tagen schließt sich der Vorhang. "James, du hast eine Pause verdient" bestimmt Arion:"Hier unsere Lieblingsspeisen, zubereitet vom unseren Dreisternekoch Deroceras reticulatum." Es gibt Studentenblumen und Rittersporn. James greift zu, denn er hat seit Tagen nichts gegessen. Arion setzt sich neben ihm auf das Sofa. Arion bemerkt, was James gerade denkt: "James, keine Augst, wir schleimen nur bei Gefahr. James: "Warum hat eure Hohheit einen männlichen Namen?" Arion antwortet ihm sehr geduldig: Ich bin Frau und Mann zu gleich. Jetzt zeige ich dir etwas, das eigentlich nur mein Liebster sehen darf, der auch Mann und Frau zugleich ist." Arion öffnete ihr Kleid. ***(Der Autor unterbricht aus Jugendschutzgründen, damit auch kleine Kinder den Text weiter lesen dürfen.)*** Nun öffnet sich wieder der Vorhang. Es wartet bereits der/die große Diva-Tenor Milax aus Italien mit der Arie aus der Schnecken-Boheme`: Frieden sei auf Erden, lasset die Schnecken leben und sich vermehren.... Zum Schluss gab Arion dem James einen dicken Kuss. Arion summte lieb und sanft: "James, ich muss jetzt gehen". Dann hörte James eine laute Stimme: "Ruf mich an.... drei-drei-drei-neun-drei-drei-drei-neun-fünf, .. drei-drei-drei-neun-drei-drei-drei-neun-fünf!" James schlägt die Augen auf. Er sitzt vor dem Fernseher. Die Hauswand ist wieder da. Der Boden und der Teppich sind ohne Schleim. Das Weißbierglas steht auf dem Tisch. Der Kuckuck schaut aus der Kuckucksuhr und die Glocke tönt einmal. Es ist ein Uhr morgens. Nun steht er auf und gähnt. Dann geht er hinüber zum Fernseher, stellt ihn ab und macht sich auf den Weg ins Bett. Punkt acht Uhr morgens ist er in der Heinrich-Hertz-Straße, vor dem Eingang der Firma Kuckucksuhren Vertriebsgesellschaft Mittelbaden. James blutet das Herz. Das Schneckenkorn ist weggefressen und von den neu eingesetzten Pflanzen sieht man nur noch ein Gerüst. Und überall sind rote Nacktschnecken. James holt aus der Putzkammer einen Eimer. Mit der Spachtel befördert er die Schnecken in den Eimer. In der Küche füllt er den Wasserkocher bis zum Rand mit Wasser. Es dauert nicht lange, bis das Wasser kocht. Genüsslich kippt er dann das Wasser über die Schnecken. "So, nun kaufen wir neue Blumen", denkt James und fährt in das Gartencenter. Nächste Geschichte: 21.09.2005 |
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