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Mein LebenElfriede SieferleJames Blackforest
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Die Geschichten: James Blackforest![]() Professor Dr. Hubertus Häberle und seine Assistenz Dr. med. vet. dent. Maria Trollinger sitzen in Freudenstadt in einem Restaurant vor einem Fessenbacher Silvaner Kabinett. Denn der berühmte Weinort Ortenberg hat keinen mehr. Selbst wenn man einen wollte, es gäbe nur noch Gengenbächer. Dazu gibt es frischen vitaminreichem Kaulquappensalat mit Himbeeressig, Holzofenbrot und Radieschen. „Liebe Maria, was hälst Du davon, hmmm..., Hubertus kratzt sich verlegen am Kopf und rückt die Krawatte zurecht, dass wir sozusagen ein Buch schreiben?“, brummelt Prof. Häberle so vor sich hin und rutscht auf dem Stuhl hin und her.. „Wow, hab ich richtig gehört?, antwortet Dr. Trollinger mit leuchteten, glänzenden Augen, „Hubertus, mein lieber, ja gern! Ich könnte Dich umarmen!“ Beide nehmen das Glas Wein in die Hand und stoßen an: „Auf unsere sichere Zukunft und viele die mit dem Buch glücklich werden mögen!“ Zur gleicher Zeit sitzt James Blackforest in der Küche am Tisch in
Käfersberg, Claudia schält Äpfel für einen
Kuchen. „Mach
halt mit, James“, riet Claudia schmunzelnd, während sie
aus einem Apfel den Wurm und seine Hinterlassenschaften ausschnitzt. Es ist 5.00 Uhr morgens. James belädt sein Auto. Claudia ist auch schon wach. Sie macht noch schnell das Frühstück. Es gibt Gipfeli (Hörnchen), Butter und Milchkaffee. Einen so großen Hunger hat man am frühen morgen noch nicht. Man hört die Nachrichten: „Tübingen: Prof.
Hubertus Häberle und Dr. med. vet. dent Maria Trollinger vom
Institut für Gliederfüßler, Wirbeltiere und
bayerische Rautenfische schreiben ein Sachbuch über den
Rautenfisch. Der bayerische Rautenfisch, Piscarius ruta bavaria, der
ursprünglich in einem See im Münchner Hofgarten, vor der
bayerischen Staatskanzlei, den bayerischen Staat symbolisieren
sollte, schwimmt nun auch in den Gewässern in Baden-Württemberg.
Besonders die baden-württembergische Landesregierung macht sich
wegen der starken Vermehrung des Rautenfisches um die heimische Fauna
und Flora Sorgen. Obwohl die baden-württembergische
Landesregierung vor dem Verzehr des Rautenfisches warnt, isst die
Bevölkerung unbesorgt diesen Fisch. Denn er soll besser
schmecken als jede Gebirgsbachforelle. James
erhebt sich nach einem kräftigen Schluck Kaffee von der
Küchenbank. Claudia umarmt ihn. In Sendling hat James Schwierigkeiten mit einem Bewohner vom Fruchthof, weil sein Auto zum Ausladen auf einem Parkplatz steht. Laut und bayerisch wird James übel angemotzt. Es ist nicht der Hausmeister, sondern ein Bewohner, dem nicht einmal dieser Parkplatz gehört. James fährt sein Auto aus dem Hof zur Straße. Gegenüber wird gerade ein Parkplatz frei. Nochmal, beladen mit viel Gepäck geht James durch den Durchgang des Fruchthofes in den ersten Innenhof. Er geht in den rechten Hauseingang, dann die Treppe hinunter in den Keller. Unter dem Innenhof ist ein riesiger Keller, der früher zum Bananenreifen genutzt wurde. Unten im Fruchthof-Keller sind bereits Künstler, die Stellwände aufbauen. James hilft mit. Man spricht über den Ärger, den man ein Jahr zuvor hatte, mit den Anwohnern, Hausverwalter etc. und mit der Drohung, dass man nächstes Jahr nicht mehr ausstellen wird. Der „End“ ist auch bereits eingetroffen. Karin Soika, die Ideengeberin der „Hommage an... -Truppe“, hat ihre Ecke bereits aufgebaut. Sie kann zu ihrer eigenen Ausstellung nicht da sein, weil sie in Italien auch etwas hat. „Hommage an...“ ist eine Kreation von Karin. Jeder Künstler hatte am Anfang ein Idol oder einen Künstler, der ihm die Inspiration gab. Es sollte eine Art Installation sein, die an den Ursprung seines Schaffens anknüpft und den Impuls-Geber würdigt. Zu diesem Thema lud sie auch andere Künstler ein, wobei acht Künstler ihrem Ruf folgten. Am Ende entstand durch die Vielzahl der Künstler und ihrre Kunstwerke eine kapellenartige Stimmung. Der End zeigt dem James seinen Platz, denn Karin war ja nicht da. Es ist ein Platz neben dem Aufzug und vor einem Fenster, darunter befindet sich eine Nische. James hängt seine leeren Rahmen auf und beschildert sie. Dann klebt er Texte, wie „Was ist, wenn nichts ist und wenn Du nichts bist“ und „Etwas, das einfach ist, wie es ist, ist wunderbar“auf das Fenster. Über das Ganze hängt er eine große Tafel „Hommage an Robert Lax“. Fertig ist das Wunderwerk. James überredet den End noch zu einem Kaffee, eh er sich dann wieder auf die Socken macht nach Käfersberg. Die
Ausstellung kommt gut an. Es ist die erste professionelle
Ausstellung, an der James Blackforest teilnimmt. Eine Woche später hat der End eine Vernissage in seinem Atelier Wintergarten in Puchheim. Prof. Hubertus Häberle ist der Überraschungsgast des Abends. Er liest aus seinem neuen Sachbuch „Der Rautenfisch“ vom IDEA - Verlag. Dazu gibt es Rautenfischbilder vom End. Rautenfisch – Pralinen und Rautenfischbrotaufstrich vom Schokolädchen, über den Prof. Hubertus Häberle seine Nase rümpft. Denn als Wissenschaftler ist er offiziell gegen den Verzehr des Rautenfisches, bis die Wissenschaft bewiesen hat, ob und wie weit der Fisch für den Menschen schädlich ist. Seinen Lieblingswein, einen Fessenbacher Silvaner trinkt er selbstverständlich und prostet den übrigen Gästen zu. Der End ist sehr zufrieden mit der Ausstellung und mit der Lesung. So manches Buch geht über den Tisch. Eine Woche darauf, es ist Samstag, 5.00 Uhr morgens. Der End belädt ein Auto und fährt los. Er fährt Richtung Lochhausen auf die neue Autobahn Richtung Stuttgart. Ja, er will zum Winzerfest nach Ortenberg., wo gegen 16.00 Uhr ein Klassentreffen ist. Es ist noch dunkel und die Autobahn ist menschenleer. Der End kann so richtig Gas geben. So um 8.00 Uhr ist der End in Offenburg. Er geht dort auf dem Markt spazieren. Beim Bratwurststand frühstückt er eine Bratwurst mit einem Wecke (Semmel). Denn in München kann man keine Wurst mehr essen. Einmal kommen diese aus der Einschweißtüte, zum anderen weiß man da nicht, ob die nicht vielleicht aus dem Gammelfleisch gemacht wurden, weil diese genau danach schmecken. Es gibt nichts Besseres als eine frische und frischgebratene Bratwurst vom Metzger. Jawohl! Vielleicht gibt es daher soviel Gammelfleisch in München, weil keiner mehr diese Würste will? In der Steinstraße findet der End in einem Café einen bequemen Stuhl. Dort lässt er sich nieder und bestellt ein riesiges Offenburger Frühstück.. Der End ist nach dem Frühstück so richtig satt. Sein Bauch fühlt sich für einen erneuten Spaziergang gut an. Pünktlich um 16.00 Uhr ist End in der Obstmarkthalle in Ortenberg, wo das Winzerfest stattfindet. Die Tische sind dekoriert und mit Platzreservierungen ausgeschildert. Beim „Jahrgang 1953/52“ nimmt End Platz. Er ist scheinbar der erste, denn es ist noch niemand da von seinen Klassenkameraden. Die Nachbarstische füllen sich mit Leuten. Er bestellt sich einen Rotwein. Vom Band läuft Musik und viele Leute sind mit Servieren und Richten beschäftigt. Endlich kommen sie, die Schulkameraden vom End. Man begrüßt sich und gibt sich sonst allgemein .Man freut sich auch, denn lange hat man sich nicht gesehen. Es ist Weinprobe. Ein Girl schenkt Wein ein. Es ist ein weißer Burgunder. Eine Stimme beschreibt einen Riesling. Die Stimme kommt von der Bühne. Der End steht auf und stellt sich vor die Bühne. „Wir haben einen weißen Burgunder im Glas“, flüstert End dem Typen auf der Bühne zu. „Entschuldigung!“. Er tauscht das Blatt aus, von dem er vorliest: „Weißer Burgunder trocken - riecht leicht nach Brombeere, hat etwas von einer Apfelschale, Tau eines Frühlings etc." Von
Brombeeren und Apfelschalen kann der End im Wein nichts riechen. Das
Girl kommt wieder. Diesmal hat sie den Riesling. Und wieder meldet
die Stimme von der Bühne: „Leichter Heidelbeergeschmack,
erinnert auch an Kartoffelsalat, Maikäfer und Kaulquappen…“ Bestimmt da auch wieder eine Autorität, wie beispielsweise in der der Kunst? Jawohl!, in der Kunst sagen Autoritäten, was Kunst ist. Im Haus der Kunst in München gab es vor Jahren eine Frank-Stella-Night. Der Hauptausstellungsraum wurde für eine Nacht in eine Diskothek verwandelt. Die Bilder von Frank Stella wurden durch Polizei-Absperrgitter gesichert. Neben dem Hauptraum gab es einen „Black-Painting-room”. Dort waren lauter schwarze Bilder. Daneben gab es einen „Pre-Black-Painting-room“. Das waren braune Bilder. Aus versicherungstechnischen Gründen, musste der Raum leer geräumt werden. Nun waren nur noch die Namenstäfelchen an der Wand und die Scheinwerfer warfen noch das Licht dagegen. Die Besucher kamen und bewunderten die leeren Wände, die Dübellöcher und den Lichtkegel so, als wären das Bilder. Sie betrachteten zunächst das Namenstäfelchen und untersuchten danach sehr interessiert und wissend die leere Wand. Sie gingen drei bis vier Schritte zurück und wieder vor und wieder zurück, — ja wir sind ja so gebildet! — und betrachteten die Wand aus der nahen und weiten Entfernung, prüfend und wohl wissend, das ist Kunst! So ist es auch bei der Weinprobe. Ein offensichtlich Kundiger gibt Brombeere, Pfirsich und Apfelschale von sich. Der scheinbar prüfende Weinkenner riecht es und stimmt wohlwollend zu. Der Kundige spricht von einem Riesling, weil er das Blatt verwechselt hat. Der Prüfende, obwohl er einen Burgunder im Glas hat, stimmt ihm wohl gesinnt zu und riecht offensichtlich auch die Brombeeren. Weinkenner unter sich! Wehe dem der sagt, der Burgunder riecht nach Burgunder. Der hat sich dann eben blamiert. Der versteht absolut gar nichts vom Wein. Wie kann der einen Burgunder riechen, wenn der Wein nach Brombeere schmeckt. Da sind die Bayern doch anders. Es gibt dort noch das bayerische Reinheitsgebot. Was glaubst du, was in Bayern los wäre, wenn einmal das Bier nach Brombeere riechen würde! In Bayern ist die Welt noch einfach. Du trinkst eine Maß Bier oder Weißbier, Russ'n oder Radler. Das ganze, das aus Hopfen und Malz gemacht ist, riecht nach Bier. Bald sind das Klassentreffen und die Weinprobe zu Ende. Eine Band neben der Bühne macht flotte Musik. Viele tanzen oben auf der Bühne oder stehen an den Weinständen herum, um Wein zu trinken und sich mit seinen Freunden und Nachbarn zu unterhalten. Dem End gefällt’s. Der probiert einen Wein nach dem anderen. Stößt mal mit diesem, mal mit jenem an und bleibt bis etwas nach 1.00 Uhr bei den Weinständen. Die frische Luft genießend geht er dann in sein Hotel. Schaltet dort den Fernseher an und zappt die Kanäle rauf und runter. Bei Neun-Live bleibt er hängen — „Ruf mich an!“ — befiehlt eine Dame in Strapsen und blanken Busen. Wieder eine Autorität! Der End denkt: „Leck mich am Arsch“, schaltet den Fernseher einfach ab und schläft ein. Die nächste James Blackforest Geschichte:
*) Winterholer sind die Weintrauben, die bei der Ernte verkrüppelt, teils unreif, manchmal nur aus drei Beeren bestehen. Der Winzer lässt sie in der Regel hängen, aber der Wanderer oder die Kinder, die nach der Ernte im Weinberg spazieren gehen, genießen sie. Denn ausgereift schmecken die einzelnen Beeren wieder gut. 22.11.2006 |
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