![]() |
Startseite ::
News ::
Über mich ::
Geschichten::
Bildgalerie ::
Vita & More
Presse :: Atelierführung :: Gästebuch :: Kontakt :: Impressum :: Übersicht |
|
Mein LebenElfriede SieferleJames Blackforest
|
Die Geschichten: James Blackforest![]() Vor Ostern hätte man noch den Eindruck haben können, daß die Kinder ihre Ostereier im Schnee hätten suchen müssen. Doch der Frühling hat es sich doch anders überlegt. Die Sonne verdrängte die Wolken, es wurde wärmer und der Frühling ist jetzt endlich da. Es blühen, wenn auch mit Verspätung, die Obstbäume. Blüten und Blätter kommen gleichzeitig, als ob der Frühling etwas aufzuholen hätte. Ein Blütenmeer, soweit man schauen kann. Überall blüht es und die Sträucher haben Blätter. In einem kleinen See in Gräfelfing, wurde es so richtig lebendig. Nicht nur die schwarzen Bergmolche waren wieder da, auch die Kröten der Umgebung sammelten sich dort. Die Weibchen trugen ihre Männchen dort hin. Teilweise gingen im See vier Männchen auf ein Weibchen los. Die Weibchen legten ihren Laich ab. Die Kröten verschwanden. Im See wurde es wieder ruhig. Es ist der erste Tag nach Ostern. James und der Eigentümer der Wohnanlage und Malermeister, Werner Pinselhaarpatscher stehen unten im Treppenhaus. Werner Pinselhaarpatscher, und James wollen das Treppenhaus streichen. Gemeinsam untersuchen sie das Treppenhaus. „James, Du bist
Künstler, welche Farbe würdest Du nehmen?“, fragt
Werner. Mit James Auto fahren sie nun rüber zum Stadtbuckel. Dort finden sie auch gleich einen guten Parkplatz. Werner zieht einen Parkschein. Denn heute hat wieder Claudia Schreibspechteimer von der kommunalen Parkraumüberwachung der Stadt Offenburg, James Freundin, Dienst. Seit sie in James Hausmeisterei mithilft, arbeitet sie jetzt nur halbtags bei der Offenburger Stadtverwaltung. Es ist sonnig und hat vierundzwanzig Grad Wärme. Zu Fuß gehen sie weiter, den Stadtbuckel hoch, an der Insel vorbei und finden dort beim Stadtbrunnen noch zwei Stühle. Der James bestellt sich beim Kellner ein gemischtes Eis mit Sahne und Werner einen gewöhnlichen Kaffee mit Zucker und Milch. Man sitzt dort wie in der Leopoldstraße in Schwabing. Leute gehen durch und glotzen und die in den Stühlen liegen, nicht sitzen, glotzen ebenfals. Es ist interessant, wie und was für Leute hier durchgehen. „Was hältst
Du von dem Pink auf dem Minirock da vorne?“, fragt Werner. Der
Kellner bringt gerade das Eis und den Kaffee. Es ist Freitagmorgen.
James und Werner haben es geschafft. Das Treppenhaus ist gestrichen.
Die Wände leuchten im Pfirsich-Ton. Werner entfernt die letzen
Klebestreifen an den Fenstern, während James das Treppenhaus
putzt. Werner liest: Performance mit Blackforest. Puchheim. Wer James Blackforest, das neue alter ego vom Maler Wolfgang End, noch nicht kennt, der hat am kommenden Samstag, den 22.April, noch einmal die Gelegenheit, diesen aufgehenden Stern am Künstlerhimmel in einer Ein-Mann-Performance zu bewundern. Von 19.30 Uhr an präsentiert Wolfgang End in seinem Puchheimer Wintergartenatelier Birkenstrasse 20 neueste Bilder, Gedichte und autobiografische Geschichten aus der Feder von „Blackforest“. Der Eintritt kostet 4.99 Euro. „Aber diesesmal werde ich da sein, die Puchheimer werden sich wundern. Kein End, sondern ich werde auf der Bühne stehen und meine Geschichten und Gedichte vortragen und auch meine Komposition „Das Schneckenballett“ im Vierviertelstundentakt, C-Dur, persönlich spielen, schimpft James, während er im Putzeimer den Mikrofaserlappen auswürgt, nicht auswringt! Frau Edeltraud
Bleibdraußen, die Rezeptionistin der
Kuckucksuhrenvertriebs- gesellschaft Mittelbaden, kommt aus ihrer
Wohnung im 1.Obergeschoss: Die Zeit vergeht wie im
Flug. Claudia und James liegen noch im Bett. Die Sonne schickt die
ersten Sonnenstrahlen durch das Schlafzimmerfenster auf das
Doppelbett. Claudia steht auf. Sie packt das Huhn am Kragen und wirft es James, der sich gerade vom Bett aufrichtet, auf den Kopf. Der James erwidert mit dem Kopfkissen. Claudia bückt sich. Das Geschoss knallt gegen die Türe. James schmettert das Huhn gleich hinterher. Claudia dreht sich. Das Huhn landet auf dem Rücken. Kichernd kickt Claudia das Huhn zurück zum Bett. James holt mit seinem rechten Bein aus, Richtung Huhn. Er trifft aber nur Luft und landet mit dem Hintern auf dem Bett. Claudia wirft sich jetzt auf James. Sie gibt ihm einen Kuss auf den Mund: „Ich glaube, wir beide sind jetzt wach genug um aufzustehen. Zusammen gehen sie ins
Bad, frühstücken rasch, denn heute ist ein großer Tag
– man muss noch vieles einkaufen, damit die Treppenhausparty
gegen 16.00 Uhr starten kann. Gemeinsam fahren sie „ins Dorf“
nach Ortenberg. Bei der „Christa“ kaufen sie Brezen,
Wecke (Semmeln für die Bayern) und Holzofenbrot. Schräg
gegenüber in der Non-Cactus-Butic bindet der Werner gerade einen
Blumenstrauß. „Hallo Werner!
Wir brauchen verschiedene Frühlingsblumen.“ Es ist kurz vor 16.00 Uhr. Die Sonne scheint. Popmusik tönt aus zwei Lautsprechern, die in den Bäumen im Innenhof der Wohnanlage in der Hildastraße hängen. Auf der Wiese stehen Biertische und Bierbänke. Bunte Lichterketten verzieren die Äste der Bäume. Die Zwillinge Peter und Paul, „zwei Heilige“ aus dem zweitem Obergeschoss, drehen am Grill die Würste und legen Steaks auf. Werner Pinselhaarpatscher, der Inhaber der Wohnanlage, von den Bewohnern „AuWeh“ genannt, sticht gerade das Bierfass an. Er braucht sieben Schläge! Der Münchner Oberbürgermeister hätte es mit zwei geschafft, aber der übt auch regelmäßig vor den Wiesn. Wenn seine Frau Margarete den Mund gehalten hätte, hätte er es mit funf geschafft. Zuerst schimpft sie über die Farbe im Treppenhaus, über die Luftballons, die im Treppenhaus schön verteilt sind. Über die herrlichen Frühlingsblumen von der Non-Cactus-Butic und über die zierlichen Lichterketten, die von der Decke herabhängen. Im Innenhof würde sie am liebsten die Bäume fällen, weil sie so viel Dreck machen. Sie würde auch den ganzen Innenhof teeren, damit das Unkraut keine Chance mehr hätte. Jetzt beschwert sie sich, weil eine Amsel sich auf der Mauer niederlässt. Die soll nicht alles vollscheißen. Und überhaupt, Vögel machen so viel Dreck und Lärm. Trotz diesem Stress hat der Werner es doch geschafft. Die anwesenden Bewohner jubeln. Weißer Schaum fließt in ein Henkelglas. Das erste Glas Schaum bekommt Margarete, die vor Wut noch mehr schäumt. Werner schenkt nun fleißig ein und verteilt die ersten Henkelgläser Bier mit viel Schaum an die Bewohner. Man stößt an und ruft Prosit. Peter und Paul stecken die Köpfe zusammen. Sie können sich das Lachen nicht verkneifen. Etwas haben sie angestellt. Der Autor weiß, was los ist. Unter der Woche haben die beiden fleißig die ersten roten Schnecken gesammelt; Arion lusitanicus, besser als Spanische Wegschnecke bekannt. Während Magarete neben dem Fass beim Fassanstechen schimpft, füllen Peter und Paul Mageretes Lederhandtasche randvoll mit roten Arions lusitanicus auf. Sorgfältig verschließen sie auch die Handtasche wieder und schleichen zurück zum Grill. Auch der Maler Wolfgang End ist da. Mit seinen kräftigen Händen schleppt er einen großen vollen Kessel vom dritten Obergeschoss in den Innenhof. Es sind original Münchner Weißwürste. Gerade rechtzeitig zum Anstich sind diese fertig geworden. Die Bewohner setzen sich jetzt an die Biertische und verspeisen zum Bier die Weißwürste mit süßem Senf. Peter, der mit der blaue Mütze und Paul mit der roten Mütze, sind noch nicht fertig mit der Margarete. Schließlich haben sie auch Kröten gefangen und Paul hat an der Grenzmauer eine dicke große Spinne entdeckt. Ahnungslos sitzt Magerete am unteren Ende auf der Bank am Biertisch gegenüber vom End. Sie schimpft gerade über die Weißwürste und zieht offen über Ends Weißwurstbilder her. „Frau
Pinselhaarpatscher, sie müssen sich in der Kunst gut auskennen,
wenn sie so viel wissen“, kommentiert der End. Peter und Paul kommen
langsam hinter einem Baum hervor. Auf dem Boden kriechen sie vor bis
hinter die Bank, auf der Margarete gerade dem End erklärt, wie
sie ihm seine Bilder malen würde. Der „End“
hört sich das Alles in Ruhe an und antwortet ihr dann ganz
„cool“: Paul steckt in diesem Augenblick flink und sorgsam eine Kröte in Margaretes Jackentasche. „Sie können ja gerne solche Bilder malen und in ihre Rahmen stecken, wenn sie wollen“, fährt „End“ fort, aber sie müssten Pinselhaarpatscher darunterschreiben. Verstehen sie? Aber ich habe noch keinen einzigen Pädagogen in meinem Leben kennen gelernt der malen konnte. Keinen einzigen, ...“ Geschwind in diesem Augenblick spinnt sich vor Magaretes Gesicht eine Spinne ab. Ehe sie es begreift, setzt sich, die Spinne neben dem Gräbchen oberhalb der linken Brust ab. Sie verschwindet rasch im Gräbchen nach unten und findet im BH Schutz. Magarete lässt einen lauten Schrei los. Rings herum ist es still geworden. Die Bewohner schauen jetzt auf Margarete. Margaretes Hand fährt nun in die rechte Jackentasche nach einem Taschentusch. Sie umklammert etwas, dass sich nass, kühl und kalt anfühlt. Sie zieht die Hand mit dem glitschigen Etwas aus der Tasche. Sie öffnet die Hand. Eine Kröte schaut ihr entgegen. Sie schreit „Wer war das?“ Peter und Paul würzen
im Augenblick fachmännisch, al la Schubeck das Steakfleisch,
während Margaretes Kopf weinrot anläuft. Sie schmeißt
nun die Kröte Richtung Peter und Paul. Die beiden ducken sich
und die Kröte knallt an die Grenzmauer. Margarete fängt
nun an zu weinen. Sie öffnet die Handtasche. Sie traut ihren
Augen nicht. Lauter rote Nacktschnecken, zusammengerollt oder
kriechend, auf Lippenstift, Wimperntusche, Geldbeutel, Hausschlüssel,
Taschentücher und Puderdöschen. Alles ist verschleimt.
Magaretes Gesicht ist bleich geworden. Die Augen sind weit geöffnet
und starr. Sie öffnet den Mund. Sie möchte noch etwas
sagen. Der Laut erstickt im Mund. Rückwärts fällt sie
auf die Wiese. Im Hinterhof ist es jetzt still. Die Bewohner schauen sich stumm an. Sollen sie das Fest abbrechen? Da kichert jemand. Es ist der Fotograf Paul Scharfblitz, der im ersten Obergeschoss im Rückgebäude lebt und arbeitet. Barbara Huber, die in der Hausmeisterwohnung im Rückgebäude lebt, prostet Paul zu. Nun lachen die übrigen Bewohner. Der Fotograf Paul Scharfblitz klimpert mit dem Messer an das Glas. Er steht auf und fängt an zu reden: „Liebe Mitbewohner! Für unsere Hausparty haben wir einen guten Tag erwischt. Das Treppenhaus ist schön geworden. Auch das Wetter passt. Es ist sommerlich warm. Ich habe eine Überraschung für euch organisiert. Gleich kommen zwei hübsche Models. Der End hat Bodypainting-Farbe mitgebracht. Der End meint, wir alle sollen die „Girls“ bemalen.“ Die Bewohner klatschen. Karin, der Teenager aus dem zweiten Obergeschoss, legt eine andere stimmungsvolle CD auf. Der Geräuschpegel der Leute schnellt wieder nach oben. Inzwischen treffen auch Bewohner von den Nachbarhäusern ein. Manche haben Schälchen mit Speisen dabei, die sie auf einen bereitgestellten Biertisch stellen. Werner Pinselhaarpatscher ist wieder zurück. Margarete geht es wieder
besser. Sie liegt zu Hause auf dem Sofa und schaut fern, berichtet
Werner. Claudia, Angela und Robert kommen hinzu. Claudia hat eine Schüssel Eiersalat dabei, den sie auch auf den Tisch stellt. Man berichtet Claudia über den Streich und das Unglück, das über Margarete einbrach.
Peter und Paul stehen jetzt beim Werner. Chriemhild und Werner Pfenniggut, die Eltern von Peter und Paul, die auch gerade dazu kommen: „Dafür helft ihr beiden morgen beim Aufräumen!“ Chriemhild schäumt:“...,dass ihr beide überall auffallen müsst. Zur Strafe habt ihr zusätzlich Küchendienst, für die nächste Woche.“ „Chriemhild, lass gut sein“, bittet nun der Werner, „...meine Frau hat es nicht unverdient. Sie hat heute aber auch alles niedergemacht. Die Farbe wäre zu teuer. Claudia würde das Treppenhaus nicht sauber putzen, das Fest hätte man auch an einem anderen Tag machen können...! Im großen und ganzen bin ich froh, dass sie jetzt zu Hause ist. Komm lass uns endlich feiern!“ Fritz
Schmalzhacksenederer aus dem dritten Obergeschoss prostet nun Werner
zu:“ Allmählich verschwindet die nackte Haut unter den Farben. Schließlich sind sie von Kopf bis Fuß mit Farbe begleitet. Zum Schluss gibt es einen dicken Beifall Man feiert noch bis in die früh.
Wie es weitergeht,
siehe nächste Geschichte: 07.06.2006 |
|
© 2004-2008 by Wolfgang End
![]() |