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Die Geschichten: James Blackforest

James Blackforest: Einweihungsparty im Treppenhaus 16. Einweihungsparty im Treppenhaus

Vor Ostern hätte man noch den Eindruck haben können, daß die Kinder ihre Ostereier im Schnee hätten suchen müssen. Doch der Frühling hat es sich doch anders überlegt. Die Sonne verdrängte die Wolken, es wurde wärmer und der Frühling ist jetzt endlich da. Es blühen, wenn auch mit Verspätung, die Obstbäume. Blüten und Blätter kommen gleichzeitig, als ob der Frühling etwas aufzuholen hätte. Ein Blütenmeer, soweit man schauen kann. Überall blüht es und die Sträucher haben Blätter.

In einem kleinen See in Gräfelfing, wurde es so richtig lebendig. Nicht nur die schwarzen Bergmolche waren wieder da, auch die Kröten der Umgebung sammelten sich dort. Die Weibchen trugen ihre Männchen dort hin. Teilweise gingen im See vier Männchen auf ein Weibchen los. Die Weibchen legten ihren Laich ab. Die Kröten verschwanden. Im See wurde es wieder ruhig.

Es ist der erste Tag nach Ostern. James und der Eigentümer der Wohnanlage und Malermeister, Werner Pinselhaarpatscher stehen unten im Treppenhaus. Werner Pinselhaarpatscher, und James wollen das Treppenhaus streichen. Gemeinsam untersuchen sie das Treppenhaus.

„James, Du bist Künstler, welche Farbe würdest Du nehmen?“, fragt Werner.
„Die ganze Malpalette vom Weißwurstmaler Wolfgang End!“, witzelt James.
„Meine Frau würde da genauso bunt und farbig anlaufen“, kontert Werner.
„In Puchheim soll der ein Garagentor einer Gemeinderätin bemalen, habe ich gehört. Es geschieht im Rahmen „Puchheim lebt“ und soll damit bis Mitte Juli fertig sein“, fährt James fort.
„Da hat er ja viel Zeit, der End. So ein Garagentor mache ich an einem halben Tag, einschließlich Grundierung und Lack“, gibt Werner lächelnd zur Antwort.
„Der will noch die Puchheimer S-Bahn-Unterführung gestalten, hat er mit erzählt“, so James weiter.
„Da hat er aber viel vor, der End. Guntelhild erzählte mir, dass Du am Samstag wieder eine Ausstellung und Lesung in seinem Atelier hast“, sagt nun Werner.
„Das ist richtig! Das ist viel zu kurz, aber ich gehe hin. Beim Weißwurstessen am Ostersonntag ist dem End eingefallen, dass man noch eine Lesung mit mir machen könnte. Er hat mich gar nicht gefragt, ob ich Lust habe oder ob ich überhaupt kann. Aber, das ist typisch End. Man weiß nie, was in seinem Schädel vor geht“, erläutert James, „aber was hältst Du von einem sanften Rosé-Ton, Werner?“
„Meine Frau würde da an ein Puff oder an eine Telefongesellschaft denken“, so Werner stirnrunzelnd, „aber was hältst Du von diesem Blau, so wie auf dieser Farbskala? Es hat was Kühles!“
„Nee kein Unterhosenblau“, bringt James entgegen, „aber diese „Minze“ hier!“
„Viel zu dunkel, lieber James“, so Werner, „weißt was, gehen wir dort zum „Stadtbrunnen“ und denken dort bei einem Kaffee über Farben weiter!“
„Gute Idee, Werner“, bestätigt James begeistert.

Mit James Auto fahren sie nun rüber zum Stadtbuckel. Dort finden sie auch gleich einen guten Parkplatz. Werner zieht einen Parkschein. Denn heute hat wieder Claudia Schreibspechteimer von der kommunalen Parkraumüberwachung der Stadt Offenburg, James Freundin, Dienst. Seit sie in James Hausmeisterei mithilft, arbeitet sie jetzt nur halbtags bei der Offenburger Stadtverwaltung.

Es ist sonnig und hat vierundzwanzig Grad Wärme. Zu Fuß gehen sie weiter, den Stadtbuckel hoch, an der Insel vorbei und finden dort beim Stadtbrunnen noch zwei Stühle. Der James bestellt sich beim Kellner ein gemischtes Eis mit Sahne und Werner einen gewöhnlichen Kaffee mit Zucker und Milch. Man sitzt dort wie in der Leopoldstraße in Schwabing. Leute gehen durch und glotzen und die in den Stühlen liegen, nicht sitzen, glotzen ebenfals. Es ist interessant, wie und was für Leute hier durchgehen.

„Was hältst Du von dem Pink auf dem Minirock da vorne?“, fragt Werner. Der Kellner bringt gerade das Eis und den Kaffee.
„Du meinst die junge Blondine mit den langen Beinen, die gerade um die Ecke in die Metzger-Straße geht?“, erkundigt sich James.
Der Kellner stellt den Kaffee und das Eis auf den Tisch und kassiert.
„Dies ist eine schöne Farbe!“, gibt James zur Antwort, „aber, was hältst Du von einem leichten Pfirsich-Ton?“.
„Warum nicht“, so Werner,“ aber schau dort, die rote Bluse der Verkäuferin!“
„Warum schaust Du immer auf die Weiber, Werner?, fragt James, „das Rot können wir ja doch nicht nehmen, weil ja sonst deine Frau meckert! Aber schau dort, diese Tasche, ist das nicht ein schönes Cölinblau oder Cerulean Blue Hue?“ James hat bereits die Sahne vom Eis gegessen und oben auf dem Eis ein Plateau mit dem Löffel geschaffen.
„Und dieses Gelb von diesem Eis?, forscht Werner weiter, während seine Augen den nackten Beinen einer Gruppe Girlies hinterher gehen.
„Ja , warum nicht. Sieh doch mal dieses feurige Grün, dort drüben bei der älteren Dame vor dem Schaufenster!“, fachsimpelt James weiter „und dazu ein leichtes Purpur auf der andere Seite!“
„Meinst Du dieses Purpur bei der jungen Frau dort drüben am Tisch?“, erkundigt sich Werner.
„Ja, das ist eine schöne Farbe, aber was hältst du von Pfirsich und einem ganz hellen Grün“, spricht James weiter, „wie dort drüben die Dame, die dort bei dem Kerl mit dem rasiertem Kopf sitzt.“
„Das wäre eine wunderbare Komposition“, antwortet Werner. James hat nun den Boden der Glasschale erreicht und vom Kaffee ist auch nur die Tasse übrig.
„Ich glaube, wir haben das Richtige“, spricht Werner, „treffen wir uns morgen im Treppenhaus und ich kaufe inzwischen mal die Farben.


Es ist Freitagmorgen. James und Werner haben es geschafft. Das Treppenhaus ist gestrichen. Die Wände leuchten im Pfirsich-Ton. Werner entfernt die letzen Klebestreifen an den Fenstern, während James das Treppenhaus putzt.
„Morgen bin ich in München, beziehungsweise in Puchheim“, erklärt James.
„Ja morgen ist Dein großer Tag, Deine Lesung und Ausstellung bei dem Weißwurstmaler“, witzelt Werner.
„Schau, das ist ein Telefax vom End“, so James weiter. James gibt Werner ein Blatt Papier, das er gerade aus der Gesäßtasche der Hose zog.
Es ist ein Ausschnitt aus der „Süddeutschen“.
„Da ist ja ein Foto vom End, der gerade auf einer Gitarre spielt. Ist der aber dick geworden! Kann der wirklich Gitarre spielen?, fragt Werner.
„Nö, der versteht genau so viel von der Gitarre, wie ein Skatspieler vom Kartenlesen, erläutert James.

Werner liest:

Performance mit Blackforest.

Puchheim. Wer James Blackforest, das neue alter ego vom Maler Wolfgang End, noch nicht kennt, der hat am kommenden Samstag, den 22.April, noch einmal die Gelegenheit, diesen aufgehenden Stern am Künstlerhimmel in einer Ein-Mann-Performance zu bewundern. Von 19.30 Uhr an präsentiert Wolfgang End in seinem Puchheimer Wintergartenatelier Birkenstrasse 20 neueste Bilder, Gedichte und autobiografische Geschichten aus der Feder von „Blackforest“. Der Eintritt kostet 4.99 Euro.

„Aber diesesmal werde ich da sein, die Puchheimer werden sich wundern. Kein End, sondern ich werde auf der Bühne stehen und meine Geschichten und Gedichte vortragen und auch meine Komposition „Das Schneckenballett“ im Vierviertelstundentakt, C-Dur, persönlich spielen, schimpft James, während er im Putzeimer den Mikrofaserlappen auswürgt, nicht auswringt!

Frau Edeltraud Bleibdraußen, die Rezeptionistin der Kuckucksuhrenvertriebs- gesellschaft Mittelbaden, kommt aus ihrer Wohnung im 1.Obergeschoss:
„Einen guten Morgen, ihr Beide! Das habt ihr aber schön gemacht. Dieses zarte gelbliche Orange. Wie habt ihr diese Farbe hingekriegt?“
„Jo, einfach im Farbenfachgeschaft mischen lassen!“, so der James.
Nun kommt Chriemhild Pfenniggut, die Mutter von Peter und Paul, die Treppe hoch :“Das ist aber schön geworden! Was haltet ihr von einer Treppenhausparty?“
„Warum nicht“, so der Werner, „Eine Hausparty wäre längst mal wieder fällig. Wo es jetzt wieder so schön da draußen und auch warm ist.“
„Sozusagen eine Treppenhauseinweihung und Frühlingsfest zusammen“, so Guntelhild Weber, die von oben zur Runde stößt. Ich werde einen Kuchen backen!“ Frau Edith Özgü, die vom Erdgeschoss, schaut die Treppe hoch: „Ich mache Salate und einen türkischen Obatzdn!“
„Schön“, antwortet Werner, „aber wann soll die Party starten?“
„Am ersten Mai nicht, aber danach. Das wäre der Samstag am 6. Mai“, schlägt James vor.
„O.K., machen wir es am 6. Mai.


Die Zeit vergeht wie im Flug. Claudia und James liegen noch im Bett. Die Sonne schickt die ersten Sonnenstrahlen durch das Schlafzimmerfenster auf das Doppelbett.
„James, von was träumst Du gerade?, säuselt Claudia James ins Ohr.
„Von den Planeten“, brummelt James zurück.
„Von was?“, forscht Claudia weiter.
„Von den Planeten, die um unsere Sonne kreisen“, brummelt James geduldig, „Wusstest Du, dass die Sumerer die Planeten von außen nach innen zählten?“
„Nein“, schnurrte Claudia zur Antwort, „Aber woher wussten die denn das?. Die Sumerer sind doch die, die vor Viertausend Jahren das Zwischenstromland im Bereich des heutigen Irak besiedelten.“
„Ja! Die Erde war der Siebte Planet“, erklärt James. Seine Stimme klang jetzt etwas klarer, da er bei diesem Thema zunehmend wacher wurde.
„Aber woher wussten die das?“, hakte Claudia nach. Sie schmiegt ihren Körper seitlich an James. Den linken Arm legte sie quer über James Bauch, so dass die Hand flach auf der Brust ruhte.
„Keine Ahnung“, philosophierte James, „ein Franzose soll die Tontafeln gefunden haben und der Sumerologe N. Kramer soll Informationen sortiert haben. Tontafelaufzeichnungen beweisen, wie hochentwickelt die Sumer waren...“
„Gack-Gack-Gack...!“
„Ohje, das Huhn gackert“, so Claudia. Sie wirft das Huhn gegen die Schlafzimmertür. Wer es noch nicht weiß, James hat ein Huhn als Wecker.
„Wo waren wir jetzt?, brummt James.
„Bei den Tontafeln“, zwitschert Claudia.
„Die Sumer beherrschten Multiplikation, Division, Quadratrechnung und Quadratwurzeln ebenso...“
„Gack-Gack-Gack...!“
„Schon wieder“, knurrt der James.
„Komm, wir stehen auf!“, schlägt Claudia vor.
„Gack-Gack-Gack...!“
„Du hast Recht!, erwidert James.

Claudia steht auf. Sie packt das Huhn am Kragen und wirft es James, der sich gerade vom Bett aufrichtet, auf den Kopf. Der James erwidert mit dem Kopfkissen. Claudia bückt sich. Das Geschoss knallt gegen die Türe. James schmettert das Huhn gleich hinterher. Claudia dreht sich. Das Huhn landet auf dem Rücken. Kichernd kickt Claudia das Huhn zurück zum Bett. James holt mit seinem rechten Bein aus, Richtung Huhn. Er trifft aber nur Luft und landet mit dem Hintern auf dem Bett. Claudia wirft sich jetzt auf James. Sie gibt ihm einen Kuss auf den Mund: „Ich glaube, wir beide sind jetzt wach genug um aufzustehen.

Zusammen gehen sie ins Bad, frühstücken rasch, denn heute ist ein großer Tag – man muss noch vieles einkaufen, damit die Treppenhausparty gegen 16.00 Uhr starten kann. Gemeinsam fahren sie „ins Dorf“ nach Ortenberg. Bei der „Christa“ kaufen sie Brezen, Wecke (Semmeln für die Bayern) und Holzofenbrot. Schräg gegenüber in der Non-Cactus-Butic bindet der Werner gerade einen Blumenstrauß. „Hallo Werner! Wir brauchen verschiedene Frühlingsblumen.“
„Servus, ihr beiden! Wie war deine Ausstellung mit Lesung beim „Entewackeli“? (Früherer Spitzname vom Autor.)
„Zum Kotzen. Jetzt bin ich doch extra nach Puchheim gefahren. Alles war schön vom End vorbereitet, aber kein Mensch kam. Um 20.00 Uhr sollte es losgehen. Wir warteten noch über eine Stunde, wirklich keine Menschenseele kam die Ateliertreppe herunter. Ich bin also 350 km mit dem Auto umsonst nach München gefahren“, schildert James enttäuscht.
„Die Planung vom „Entewackeli“ war einfach zu dilettantisch“, fachsimpelt Werner, „Der hätte früher planen sollen!“
„Ich denke halt, dass die nächste Ausstellung besser wird. Man darf nicht locker lassen“, so der James, „Wir brauchen Frühlingsblumen als Deko für eine Treppenhausparty.“
„Nimm doch diese, mit den Übertöpfen. Die sind im Sonderangebot, zu 2.49 Euro pro Stück und Übertopf, wenn Du die jetzt kaufst.“, bietet Werner.
„Warum möchtest Du die los haben?“, fragt Claudia den Werner neugierig.
„Bald ist wieder Schneckenzeit und ich brauche den Platz für meine Schneckenfallen-Sets. Es war ein gutes Geschäft letztes Jahr mit den Bierfallen“.
„James, wir nehmen 40 Töpfe. Oder? Einen Teil können wir doch in der Kuckucksuhren-Vertriebsgesellschaft Mittelbaden unterbringen.“, schlägt Claudia vor.
„Prima Idee, wir nehmen 40 Pflanzen!“, bestätigt James.

Es ist kurz vor 16.00 Uhr. Die Sonne scheint. Popmusik tönt aus zwei Lautsprechern, die in den Bäumen im Innenhof der Wohnanlage in der Hildastraße hängen. Auf der Wiese stehen Biertische und Bierbänke. Bunte Lichterketten verzieren die Äste der Bäume. Die Zwillinge Peter und Paul, „zwei Heilige“ aus dem zweitem Obergeschoss, drehen am Grill die Würste und legen Steaks auf.

Werner Pinselhaarpatscher, der Inhaber der Wohnanlage, von den Bewohnern „AuWeh“ genannt, sticht gerade das Bierfass an. Er braucht sieben Schläge! Der Münchner Oberbürgermeister hätte es mit zwei geschafft, aber der übt auch regelmäßig vor den Wiesn. Wenn seine Frau Margarete den Mund gehalten hätte, hätte er es mit funf geschafft. Zuerst schimpft sie über die Farbe im Treppenhaus, über die Luftballons, die im Treppenhaus schön verteilt sind. Über die herrlichen Frühlingsblumen von der Non-Cactus-Butic und über die zierlichen Lichterketten, die von der Decke herabhängen. Im Innenhof würde sie am liebsten die Bäume fällen, weil sie so viel Dreck machen. Sie würde auch den ganzen Innenhof teeren, damit das Unkraut keine Chance mehr hätte. Jetzt beschwert sie sich, weil eine Amsel sich auf der Mauer niederlässt. Die soll nicht alles vollscheißen. Und überhaupt, Vögel machen so viel Dreck und Lärm.

Trotz diesem Stress hat der Werner es doch geschafft. Die anwesenden Bewohner jubeln. Weißer Schaum fließt in ein Henkelglas. Das erste Glas Schaum bekommt Margarete, die vor Wut noch mehr schäumt. Werner schenkt nun fleißig ein und verteilt die ersten Henkelgläser Bier mit viel Schaum an die Bewohner. Man stößt an und ruft Prosit.

Peter und Paul stecken die Köpfe zusammen. Sie können sich das Lachen nicht verkneifen. Etwas haben sie angestellt. Der Autor weiß, was los ist. Unter der Woche haben die beiden fleißig die ersten roten Schnecken gesammelt; Arion lusitanicus, besser als Spanische Wegschnecke bekannt. Während Magarete neben dem Fass beim Fassanstechen schimpft, füllen Peter und Paul Mageretes Lederhandtasche randvoll mit roten Arions lusitanicus auf. Sorgfältig verschließen sie auch die Handtasche wieder und schleichen zurück zum Grill.

Auch der Maler Wolfgang End ist da. Mit seinen kräftigen Händen schleppt er einen großen vollen Kessel vom dritten Obergeschoss in den Innenhof. Es sind original Münchner Weißwürste. Gerade rechtzeitig zum Anstich sind diese fertig geworden. Die Bewohner setzen sich jetzt an die Biertische und verspeisen zum Bier die Weißwürste mit süßem Senf.

Peter, der mit der blaue Mütze und Paul mit der roten Mütze, sind noch nicht fertig mit der Margarete. Schließlich haben sie auch Kröten gefangen und Paul hat an der Grenzmauer eine dicke große Spinne entdeckt. Ahnungslos sitzt Magerete am unteren Ende auf der Bank am Biertisch gegenüber vom End. Sie schimpft gerade über die Weißwürste und zieht offen über Ends Weißwurstbilder her.

„Frau Pinselhaarpatscher, sie müssen sich in der Kunst gut auskennen, wenn sie so viel wissen“, kommentiert der End.
„Ja ich habe Kunstpädagogik studiert und unterrichte an der Volkhochschule Kunst.“, antwortet Magarete sehr wichtig, „..die Bilder sind plakativ, von Perspektive haben sie keine Ahnung und was soll die Weißwurst in jedem Bild. Und dann noch diese dilettantische Farbzusammenstellung. Die bemalten Rahmen sind viel zu dominant!“

Peter und Paul kommen langsam hinter einem Baum hervor. Auf dem Boden kriechen sie vor bis hinter die Bank, auf der Margarete gerade dem End erklärt, wie sie ihm seine Bilder malen würde. Der „End“ hört sich das Alles in Ruhe an und antwortet ihr dann ganz „cool“:
“Wissen Sie. Unter meinen Bildern steht „End“. Und wenn ich die Bilder so malen müsste, wie sie es mir erklären, dann wären diese Bilder keine „Ends“, sondern „Pinselhaarpatschers“, verstehen sie?. Da steht aber End darunter und nicht „Pinselhaarpatscher“. Ich male aber nur „Ends“ und keine „Pinselhaarpatschers“.

Paul steckt in diesem Augenblick flink und sorgsam eine Kröte in Margaretes Jackentasche.

„Sie können ja gerne solche Bilder malen und in ihre Rahmen stecken, wenn sie wollen“, fährt „End“ fort, aber sie müssten Pinselhaarpatscher darunterschreiben. Verstehen sie? Aber ich habe noch keinen einzigen Pädagogen in meinem Leben kennen gelernt der malen konnte. Keinen einzigen, ...“

Geschwind in diesem Augenblick spinnt sich vor Magaretes Gesicht eine Spinne ab. Ehe sie es begreift, setzt sich, die Spinne neben dem Gräbchen oberhalb der linken Brust ab. Sie verschwindet rasch im Gräbchen nach unten und findet im BH Schutz. Magarete lässt einen lauten Schrei los. Rings herum ist es still geworden. Die Bewohner schauen jetzt auf Margarete. Margaretes Hand fährt nun in die rechte Jackentasche nach einem Taschentusch. Sie umklammert etwas, dass sich nass, kühl und kalt anfühlt. Sie zieht die Hand mit dem glitschigen Etwas aus der Tasche. Sie öffnet die Hand. Eine Kröte schaut ihr entgegen.

Sie schreit „Wer war das?“

Peter und Paul würzen im Augenblick fachmännisch, al la Schubeck das Steakfleisch, während Margaretes Kopf weinrot anläuft. Sie schmeißt nun die Kröte Richtung Peter und Paul. Die beiden ducken sich und die Kröte knallt an die Grenzmauer.
„Oh das arme Tier“, denkt Paul. Aber es atmet noch. Peter legt die Kröte in einen leeren Pflanzentopfuntersetzer, den er mit Wasser füllt. Die Kröte ist immer noch bewegungslos.

Margarete fängt nun an zu weinen. Sie öffnet die Handtasche. Sie traut ihren Augen nicht. Lauter rote Nacktschnecken, zusammengerollt oder kriechend, auf Lippenstift, Wimperntusche, Geldbeutel, Hausschlüssel, Taschentücher und Puderdöschen. Alles ist verschleimt. Magaretes Gesicht ist bleich geworden. Die Augen sind weit geöffnet und starr. Sie öffnet den Mund. Sie möchte noch etwas sagen. Der Laut erstickt im Mund. Rückwärts fällt sie auf die Wiese.
Werner sagt nur: “Auweh!“
Werner packt seine Frau mit beiden Händen am Oberkörper. Er schleppt sie zum Auto und fährt sie nach Hause. Werner hat ein Bier getrunken, aber er war selten so wach wie jetzt.

Im Hinterhof ist es jetzt still. Die Bewohner schauen sich stumm an. Sollen sie das Fest abbrechen? Da kichert jemand. Es ist der Fotograf Paul Scharfblitz, der im ersten Obergeschoss im Rückgebäude lebt und arbeitet. Barbara Huber, die in der Hausmeisterwohnung im Rückgebäude lebt, prostet Paul zu. Nun lachen die übrigen Bewohner. Der Fotograf Paul Scharfblitz klimpert mit dem Messer an das Glas. Er steht auf und fängt an zu reden: „Liebe Mitbewohner! Für unsere Hausparty haben wir einen guten Tag erwischt. Das Treppenhaus ist schön geworden. Auch das Wetter passt. Es ist sommerlich warm. Ich habe eine Überraschung für euch organisiert. Gleich kommen zwei hübsche Models. Der End hat Bodypainting-Farbe mitgebracht. Der End meint, wir alle sollen die „Girls“ bemalen.“

Die Bewohner klatschen. Karin, der Teenager aus dem zweiten Obergeschoss, legt eine andere stimmungsvolle CD auf. Der Geräuschpegel der Leute schnellt wieder nach oben. Inzwischen treffen auch Bewohner von den Nachbarhäusern ein. Manche haben Schälchen mit Speisen dabei, die sie auf einen bereitgestellten Biertisch stellen.

Werner Pinselhaarpatscher ist wieder zurück. Margarete geht es wieder besser. Sie liegt zu Hause auf dem Sofa und schaut fern, berichtet Werner. Claudia, Angela und Robert kommen hinzu. Claudia hat eine Schüssel Eiersalat dabei, den sie auch auf den Tisch stellt. Man berichtet Claudia über den Streich und das Unglück, das über Margarete einbrach. Peter und Paul stehen jetzt beim Werner.
„Es tut uns leid, dass es soweit gekommen ist“, sagt Paul zu Werner.
„Komm, Schwamm drüber! Eigentlich hat sie es nicht unverdient. Die nervte mich bereits seit dem Frühstück“, gibt Werner leicht schmunzelnt zur Antwort.. Guntelhild Weber, vom drittten Obergeschoss kommt hinzu:
„Bei jeder anderer Person hätte ich euch beide verprügelt.“

Chriemhild und Werner Pfenniggut, die Eltern von Peter und Paul, die auch gerade dazu kommen: „Dafür helft ihr beiden morgen beim Aufräumen!“ Chriemhild schäumt:“...,dass ihr beide überall auffallen müsst. Zur Strafe habt ihr zusätzlich Küchendienst, für die nächste Woche.“

„Chriemhild, lass gut sein“, bittet nun der Werner, „...meine Frau hat es nicht unverdient. Sie hat heute aber auch alles niedergemacht. Die Farbe wäre zu teuer. Claudia würde das Treppenhaus nicht sauber putzen, das Fest hätte man auch an einem anderen Tag machen können...! Im großen und ganzen bin ich froh, dass sie jetzt zu Hause ist. Komm lass uns endlich feiern!“

Fritz Schmalzhacksenederer aus dem dritten Obergeschoss prostet nun Werner zu:“
Die „Girls“ sind da!"
Der „End“ hat alles vorbereitet. Auf einem kleinen Tisch neben dem Grill sind die Farben. Die zwei jungen Frauen stehen mit einem Umhang bedeckt vor dem Grill. Der End schreit, es kann losgehen. Die „Girls“ legen den Umhang ab. Ungewohnt wirken die nackten Körper im Innenhof vor dem Grill. Edith Özgü nimmt als erste den Pinsel. Sie taucht ihn in Wasser und beginnt mit einer hellblauen Farbe auf der linken Brust. Chriemhild und Gundelhild sind die nächsten, die den Pinsel in die Hand nehmen. Die Frauen sind am mutigsten. So nach und nach kommen auch die Männer. Es ist doch recht ungewöhnlich, wenn man mit dem Pinsel die Haut der Mädchen berührt und die Haut auch noch nachgibt. So manchem der Männer prickelt es unter der Haut. Paul Scharfplitz zeichnet das Ganze mit der Kamera auf.

Allmählich verschwindet die nackte Haut unter den Farben. Schließlich sind sie von Kopf bis Fuß mit Farbe begleitet. Zum Schluss gibt es einen dicken Beifall

Man feiert noch bis in die früh.

 

Wie es weitergeht, siehe nächste Geschichte:
„Pucheim lebt!“ Der End bemalt eine Garagenwand!

07.06.2006

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